Recht auf Bildung
Kannst Du Dich noch erinnern, wie es war als Du weder lesen noch schreiben konntest? Für alles musstest Du Deine Eltern um Hilfe fragen. Ist Dir bewusst, dass sich Deine Welt vergrößert hat, seit Du sie selbst entziffern kannst?
Für Menschen die nicht lesen und schreiben können, bleibt vieles unüberwindbar.
Den Zusammenhang zwischen einer handgeschriebenen Telefonnummer und der Tastatur eines Telefons zum Beispiel ist nicht so evident wie es Dir erscheinen mag.
Und wie willst Du Dich in einer Stadt orientieren, wenn es dir nicht gelingt die Straßenschilder zu entziffern?
Wenn Du das Kleingeld nicht nachzählen kannst, dann kann die Kassiererin Dich aber schön betrügen wenn sie will.
Und was wäre wenn Du alles auswendig lernen müsstest, die Telefonnummern Deiner Familie und Deiner Freunde, die Adressen die wichtig sind, die Geburtstage, die Termine und Verabredungen….? Wenn Du nicht auf einen Kalender oder ein Agenda zurückgreifen könntest?
Welche Arbeit würdest Du machen können und wie Dein Geld verdienen?
| Christophe Karger, 6. Klasse, Préizerdaul |
780 Millionen Menschen ab 15 Jahren können nicht lesen und schreiben.
Fast alle davon leben in den Entwicklungsländer. Dort ist fast jeder vierte Erwachsene Analphabet. 2/3 der Analphabeten sind Frauen.
Auch 100 Millionen Kinder im Grundschulalter ist der Zugang zur Bildung nicht möglich. Mädchen sind benachteiligter als die Jungen. (15)
Dadurch, dass die Frauen keinen Zugang zur Bildung haben, bleiben sie von ihren Männern abhängig. Und dabei haben Statistiken bewiesen, dass Frauen die zur Schule gehen, weniger Kinder kriegen, besser verdienen und so besser für ihre Familie sorgen können, wodurch ihre Kinder gesünder sind.
Fast alle Länder haben eine gesetzliche Schulpflicht und die Zahl der Schulanfänger ist allein in Afrika in den letzten fünf Jahren um fast ein Drittel gestiegen.
Was erklärt, dass trotz vieler Verbesserungen, noch so viele Menschen keinen Zugang zur Bildung haben?
| Klasse im Vietnam |
Es wird geschätzt, dass auf der Erde 15 Millionen zusätzliche Lehrer nötig wären um den Schülern einen qualifizierten Unterricht in Klassen von maximal 40 Schülern anzubieten.
Momentan gibt es viele Lehrer die fast keine Ausbildung haben. Im Botswana sind anscheinend nur 10% der Lehrer für ihren Beruf ausgebildet (Bibliographie #15).
Sogar Lehrer mit einer abgeschlossenen Ausbildung werden oft sehr schlecht bezahlt, was nicht zu ihrer Motivation beiträgt.
Vielerorts fehlen Klassenräume oder die Gebäude sind in einem schlechten Zustand und es gibt fast kein Material.
Durch einen Mangel an Lehrern und an Klassenzimmern, drängen sich oft bis zu 80 Schüler in eine Klasse. Du kannst Dir vorstellen, dass es den Lehrern dann nicht möglich ist auf die Schwierigkeiten der einzelnen Schüler einzugehen.
Manche Staaten verlangen dass die Schüler Schulgebühren zahlen. Wer diese nicht zahlen kann, dem ist der Zugang zur Schule verweigert. Weitere Ausgaben wie eine eventuelle Schuluniform, die Bücher und Hefte…erlauben es Eltern mit vielen Kindern oft nicht, diese alle zur Schule zu schicken. Wenn die Eltern dann wählen müssen, schicken sie oft lieber die Jungen zur Schule.
Der Unterschied ist auch groß zwischen Stadt und Land. In manchen Staaten ist die Analphabetenzahl in ländlichen Gegenden bis zu viermal so hoch wie in den Städten.
| Klassensaal im Sudan | Klasse im Vietnam | Schulranzen auf einem Mark im Burkina Faso |
Schüler im Peru mit ihrer Schuluniform |
Viele Kinder müssen die Grundschule leider frühzeitig wieder abbrechen. Sie müssen im Haushalt mithelfen, auf kleine Geschwister aufpassen, sich um kranke Eltern kümmern, auf dem Feld arbeiten oder die Eltern haben Angst, ihnen könnte auf dem weiten Schulweg etwas zustoßen.
Manchmal ist der Schulabbruch auch ganz einfach nur dadurch zu erklären, dass es in der Schule kein Klo gibt, was für die Mädchen problematischer ist als für Jungs.
Einige Schülerinnen brechen den Schulbesuch ab weil sie schwanger sind oder schon so früh verheiratet werden.
Manchmal würdest Du am liebsten tun als hättest Du den Wecker nicht gehört, wenn Du wieder aufstehen musst um zur Schule zu gehen.
Aber eigentlich könntest Du ganz schön dankbar dafür sein, dass Du das hier lesen kannst, oder?
Entdecke die Geschichte von Nicolas im Vietnam:
1GOAL, education for all
Der 16. Juni ist der internationale Tag der afrikanischen Kinder und Jugendlichen. An diesem Tag wird ganz besonders an die jungen Afrikaner gedacht, die keine Möglichkeit haben zur Schule zu gehen. Die Hälfte der Kinder die nicht zur Schule gehen können, leben in Afrika.
Weltweit finden um den 16. Juni Aufklärungskampagnen statt, um auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen.
9 luxemburger ONG's haben sich im Konsortium "IDAY Luxemburg" (www.iday.lu) zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für den Zugang zur Bildung einzusetzen.

Am 20. Mai fand, in Zusammenarbeit zwischen IDAY und der LASEP, ein Lauf um den See von Echternach unter dem Motto: "Ein Ziel: Bildung für jeden"statt. Rund 600 KInder beteiligten sich daran. Viele von ihnen nahmen auch begeistert an der Unterschriftaktion von IDAY teil.

Du kannst Dich auch noch beteiligen, sende ein Foto von Dir, mit dem erhobenen Zeigefinger, an you@join1goal.org und unterstütze so die weltweite Bewegung für das Recht auf Bildung für alle.
