Gewohnheiten rund ums Essen
„Ellbogen vom Tisch“, „Hör auf zu Schmatzen“, „Jetzt nimm doch mal Messer und Gabel“, „Iss Deinen Teller leer“…
Kommt Dir das bekannt vor?
Bestimmt haben Deine Eltern Dich schon mal ermahnt, weil Du Dich bei Tisch nicht so benommen hast, wie sie das von Dir erwarten?
Dann zeig ihnen mal diese Seite. Gleich nehme ich Dich mit auf eine Entdeckungsreise zu den Essgewohnheiten anderer Menschen. Da wirst Du staunen! Und vielleicht hast Du Dich schon mal spontan genau so verhalten…bis Deine Eltern Dich wieder aufforderten, Dich „zu benehmen“?
Wenn Du Dich in anderen Ländern so „benimmst“, wie Du es als Kind gelernt hast, kann das sogar als unhöflich angesehen werden! Ganz schön kompliziert, oder?
Im Nepal wärst Du jetzt schon ins Fettnäpfchen getreten, weil Du Dich gerade in der Küche befindest. Dort ist die Küche der „heilige“ Bereich der Hindus und darf nicht von Gästen betreten werden!
Warst Du schon mal chinesisch essen und Du kannst Dich noch an den Chinesen am Nebentisch erinnern, der seine Suppe laut schlürfend austrank? Das wäre Dir im Traum nicht eingefallen! In vielen Ländern Asiens ist es aber nicht nur erlaubt, sondern auch angeraten zu schlürfen, damit sich der Geschmack im Mund besser entfalten kann!
Wenn im Vietnam Gäste eingeladen sind, wird nicht einfach mehr von einem Gericht gekocht, sondern die Anzahl der Gerichte wird erhöht. Je mehr Gäste also eingeladen sind, umso mehr verschiedene Gerichte werden vorgesetzt.
Wenn Vietnamesen sich erkundigen wollen, ob man schon gegessen hat, fragen sie „ Haben Sie schon Reis gegessen?“.
„Guten Appetit“ heißt in der Vietnamesischen Sprache: „Lassen Sie sich den Reis schmecken!“ (Bibliographie #9).
In vielen asiatischen Ländern dürfen Essensreste wie z.B. Knochen auf den Tisch gelegt oder sogar ausgespuckt werden. Dafür ist es aber verboten, sich beim Essen zu schnäuzen oder an die Nase zu fassen.
So wie Du geschickt mit Messer und Gabel umgehst, so können viele asiatische Kinder schon ohne zu kleckern mit Stäbchen essen.
Frag das nächstes Mal nach Stäbchen, wenn Du mit Deinen Eltern asiatisch essen gehst! Versuch Dein Glück, und vergewissere Dich, dass Dir der Kellner auch Messer und Gabel lässt, denn so einfach ist es nicht, mit den Stäbchen klar zu kommen!
Außerdem wird fast überall in Europa mit der Gabel und dem Messer gegessen, wobei meistens die Gabel in die linke und das Messer in die rechte Hand gehört. In Italien ist diese Regel aber schon beim Spaghettiessen nicht mehr gültig. Wusstest Du schon, dass die „wahren“ Italiener ihre Spaghettis nur mit der Gabel essen? Probier es mal aus, aber denk dran, Dir vorher eine Serviette umzubinden!
Auch die Engländer haben andere Tischsitten. Dort gehört die Gabel in die rechte Hand und das Messer wird nur benutzt, um kleine Häppchen zu schneiden. Danach legen sie es wieder zur Seite. Die linke Hand darf dadurch während des Essens auf dem Schoss ruhen.
Hast Du Dich auch schon mal dabei ertappt, wie ein Engländer zu essen?
In verschiedenen Ländern, so z.B. in Albanien, ist es üblich, eine Portion mehr zu kochen als tatsächlich gegessen wird. Man weiß ja nie, ob nicht doch ein unangekündigter Besuch auftaucht.
Rülpsen ist in Europa ganz schlecht angesehen, in anderen Teilen der Welt ist es ein Zeichen, dass das Essen gut war und alle satt sind.
Während in vielen Ländern das Wasser im Restaurant extra bestellt und bezahlt werden muss, gibt es in Frankreich die gute Gewohnheit, gratis eine Kanne Leitungswasser auf den Tisch zu stellen.
Im Senegal wird erst nach dem Essen ein Glas Wasser getrunken.
In manchen Ländern gibt es gar keinen Tisch oder keinen Tisch der groß genug wäre, um die ganze Familie rundherum zu versammeln. Die Alternative ist dann, auf einem großen, abwaschbaren Teppich auf dem Boden zu essen. Das Essen wird in einer großen Schüssel serviert und die Familie sitzt im Kreis drum herum, entweder auf kleinen Hockern, in der Hocke oder auf dem Teppich. Bis zu 15 Leuten oder mehr können so zulangen. Gegessen wird mit einem Löffel oder mit der rechten Hand. Heute noch wird die linke Hand in verschiedenen Ländern nach dem Toilettengang zum Abwischen benutzt, weil es kein Klopapier gibt. Klar, dass man mit der „unreinen“ Hand dann nicht ins Familienessen reingreift.
Gibt es z.B. Hähnchen oder Fisch, dann zerlegt die Hausfrau das Essen mit der rechten Hand und legt jedem seinen Anteil vor „seinen“ Essplatz.
Hast Du keine Lust, das mal auszuprobieren? Vielleicht wäre Deine Familie auch von einem Afrika-Essen begeistert? Sogar wenn Du Reis normalerweise nicht besonders magst, wird er Dir so bestimmt super schmecken!
Und beim Abwaschen geht es garantiert schneller!
| Im Sudan |
Im Burundi darf man, wie in vielen afrikanischen Ländern, mit der rechten Hand essen. Die linke Hand darf nicht benutzt werden, sie gilt als unrein.
Aus dem Maisbrei kann man mit der Hand kleine Kugeln drehen und diese dann in Soße tunken. Das kleckert ganz herrlich am Anfang, bis man’s beherrscht.
Die Essgewohnheiten hängen auch von der Religion der Menschen ab. Während es bei den Christen keine Verbote gibt, dürfen Moslems zum Beispiel kein Schweinefleisch essen und keine Lebensmittel, die mit Alkohol zubereitet sind. Auch die Juden kennen verschiedene Verbote und dürfen nicht alles essen.
| Indischer Mann, der mit der Hand isst |
Weißt Du noch, dass viele Inder Hindus sind?
Hindus verehren Kühe und essen deshalb auch kein Rindfleisch.