Religionen der Welt
Viele Menschen glauben an eine oder mehrere, höhere Kräfte. Sie drücken ihren Glauben durch verschiedene Rituale aus: sie beten, lesen heilige Texte oder nehmen an religiösen Feiern teil.
Nicht alle Menschen teilen dieselbe Religion und manche Menschen glauben an überhaupt keine überirdischen Kräfte, oder sie zweifeln, ob es doch einen oder mehrer Götter gibt, oder eben nicht.
Hier kannst Du einen kleinen Einblick in die großen Religionen der Welt bekommen. Vielleicht erscheint Dir manches komisch und Du bist vielleicht nicht damit einverstanden. Es ist aber eine Tatsache, dass nicht alle Menschen so leben und denken wie Du. Wenn wir wollen, dass Frieden auf der Erde herrscht, dann ist es wichtig, den anderen mit seinen Überzeugungen ernst zu nehmen.
Es gibt die traditionellen Religionen, die schon seit vielen Jahren bestehen. Manche sind in Zwischenzeit wieder verschwunden, und neue Religionen sind entstanden. Viele Anhänger der traditionellen Religionen glauben an überirdische Kräfte, die in der Welt und in ihrem Leben wirken.
Das Judentum
Die Anhänger des Judentums heißen Juden. Sie glauben an einen einzigen Gott.
Das Judentum ist in Palästina entstanden. Heute leben die Juden aber in der ganzen Welt.
Ihre heilige Schrift ist die Tora; sie erzählt wie das Judentum entstanden ist und sie enthält die Regeln der Religion und des täglichen Lebens der Juden. Die Tora ist auf langen Papierrollen aufgeschrieben und entspricht den fünf ersten Büchern der Bibel der Christen.
Die Juden beten normalerweise zusammen in ihrem Gotteshaus, der Synagoge.
Die Klagemauer ist der heiligste Ort des Judentums. Es handelt sich um die Überreste eines Tempels, der sehr wichtig für die Juden ist.
Durch die Feier der Bar-mitsva werden die Jungen zu Mitgliedern der Synagoge. Für die Mädchen heißt die Feier Bat-mitsva. Sie werden dann von der Gemeinschaft als erwachsen angesehen. Während der Feier lesen die Jugendlichen aus der Tora.
Für die Juden ist der Sabbat ein sehr wichtiger Tag in der Woche. Er beginnt am Freitagabend und dauert bis Samstagabend. Den Sabbat ehren die Juden dadurch, dass sie beten und an dem Tag nicht arbeiten.
Eines der größten Feste des Judentums ist das Paschafest. An dem Tag erinnern sich die Juden daran, wie Gott die Juden aus der Sklaverei in Ägypten befreit hat.
Das Christentum
Die Anhänger des Christentums heißen Christen. Sie glauben an Jesus Christus, der vor 2000 Jahren in Palästina lebte und dort die Liebe zu Gott und zum Nächsten verkündete.
Er wurde mit 33 Jahren gekreuzigt. Die Christen glauben, dass er drei Tage nach seinem Tod auferstanden ist und lebt. Für die Christen ist Jesus Gottes Sohn.
Das Symbol des Christentums ist das Kreuz.
Die Christen glauben an einen einzigen Gott, aber auch, dass dieser Gott unter drei verschiedenen „Formen“ besteht. Die Christen nennen das „Dreifaltigkeit“ und meinen damit Gott Vater, seine Sohn Jesus und den Heiligen Geist.
Das heilige Buch der Christen ist die Bibel, die sich aus dem Alten und dem Neuen Testament zusammen setzt. Das Alte Testament stimmt fast mit der Tora der Juden übereinander, während das Neue Testament das Leben und Wirken von Jesus schildert.
Die Christen sind in verschiedene Zweige aufgeteilt; die Hauptzweige sind die Katholiken, die Protestante, die Orthodoxen, die Anglikaner. Obschon sie grundsätzlich denselben Glauben teilen, unterscheiden sie sich durch ihre Gebräuche und Rituale.
Das Gotteshaus der Christen heißt Kirche (für die Katholiken) oder Tempel (für die Protestanten). Sie gehen normalerweise samstags oder sonntags dorthin zum Gebet.
| Kirche im Peru | Kirche im Sudan | Statue von Maria, der Mutter vom Jesus, im Peru |
Verkaufsstand mit Kerzen vor einer Kirche im Peru |
| Weihnachtsdarstellung aus dem Peru |
In den Kirchen gibt es Statuen von Heiligen. Manche Gläubige zünden Kerzen vor den Statuen an.
Eines der wichtigsten Feste der Christen ist Weihnachten, am 25. Dezember, wo sie die Geburt von Jesus feiern.
Zu Ostern, im Frühling, erinnern sie sich an seinen Tod und seine Auferstehung.
Zwei Milliarden Menschen sind Christen. Sie leben auf der ganzen Welt.
Der Islam
Die Anhänger des Islam heißen Muslime. Sie glauben an einen einzigen Gott, den sie oft mit seinem arabischen Namen „Allah“ bezeichnen.
Die Muslime beten fünfmal am Tag. Sie unterbrechen dann, wenn möglich, ihre Aktivitäten, um sich für ein paar Minuten ganz Zeit für Gott zu nehmen.
Vor dem Gebet müssen sie ihre rituellen Reinigungen machen.
Die Muslime beten auf einem Gebetsteppich, den sie in Richtung Mekka ausrichten.
Das heilige Buch des Islam ist der Koran. Die Muslime glauben, dass Allah den Koran an den Propheten Mohammed überliefert hat.
Der Islam ist auf fünf Glaubenssäulen aufgebaut, das heißt, die Muslime sollen:
- Ihren Glauben bekennen
- Fünfmal am Tag beten
- Den Armen Almosen geben
- Während des Fastenmonats Ramadan 30 Tage lang, von Sonnenaufgang bis zu Sonnenuntergang, fasten
- Einmal in ihrem Leben nach Mekka pilgern.
Die Muslime beten zuhause oder in der Moschee.
Mekka ist für die meisten Muslime der heiligste Ort der Welt. Der Prophet Mohammed ist in Mekka geboren. Mekka ist nur für Muslime zugängig. Eine riesige Moschee empfängt dort hunderttausende von Pilger. Im Innenhof der Moschee ist die Kaaba, „das heilige Haus Gottes“, die mit einem schwarzen Vorhang verhüllt ist, auf dem mit Goldschrift Zitate aus dem Koran stehen. Die Pilger gehen um die Kaaba herum.
Zu den wichtigsten Festen des Islam gehört das Opferfest „ Aïd-el-Kébir“. Dieses Fest erinnert an Abraham, der so sehr auf Gott vertraute, dass er bereit war, seinen Sohn zu opfern. Jede Familie opfert zum Andenken daran ein männliches Schaf und feiert ein großes Fest.
Die Muslime sind in verschiedene Zweige aufgeteilt. So gibt es zum Beispiel die Sunniten und die Schiiten.
Mit rund 1,4 Milliarden Muslime ist der Islam die zweitgrößte Religion. Ein Drittel der Muslime leben in Nordafrika und im Mittleren Orient, die Mehrheit lebt allerdings in Mittel- und Süd-Asien.
Der Hinduismus
Der Hinduismus ist vor über 5000 Jahren in Indien entstanden. Es handelt sich nicht um eine einzige Religion, sondern um eine Vielfalt von religiösen Traditionen. Die Hindus drücken ihren Glauben auf verschiedene Art und Weisen aus. Die meisten Hindus glauben an einen Gott, den sie unter verschiedenen Formen anbeten. Es gibt im Hinduismus hunderte von Götter und Göttinnen, so zum Beispiel Brahma, der die Welt erschaffen hat, Shiva, der die Welt gelegentlich zerstört, und Vishnou, der die Welt erhält. Vielleicht kennst Du Ganesh, den Gott mit Elefantenkopf, oder Hanuman, den Affengott?
Auf den Fotos siehst Du Darstellungen der Göttin Durga.
Durga Puja, das Fest zur Ehren der Göttin, wird im September oder im Oktober gefeiert. In Kolkata (früher Kalkutta) ist es sogar das wichtigste Fest des Jahres.
Überall bauen die Menschen kleine oder größere Altäre, aus Bambusstangen und Tüchern oder Lehm auf, auf die reich verziert sind und nach den Festlichkeiten wieder abgebaut werden. Es gibt regelrechte Wettbewerbe, wer den schönsten Altar und die schönste Durga-Statue hat.
Durga wird am letzten Tag von verheirateten Frauen mit roter Farbe verehrt und verabschiedet. In großen Umzügen fahren die Menschen ihre Duraga-Statuen zum Ganges, wo sie eingetaucht werden.
Ein anderes großes Fest ist Diwali, das Lichterfest.
Hindus glauben auch, dass sie nach ihrem Tot wiedergeboren werden, das heißt, dass ihre Seele in einem anderen Körper wiedergeboren wird.
In Indien ist der Ganges der bekannteste heilige Fluss. Für Hindus ist es wichtig, sich in seinem Wasser zu baden, denn sie glauben, dass dies den Körper und die Seele reinigt und alles Böse entfernt, was ein Mensch getan hat.
Das Leben zu respektieren ist für die Hindus sehr wichtig. Deshalb sind viele auch Vegetarier, das heißt, sie essen kein Fleisch. Die Kühe werden als heilig angesehen und besonders respektiert.
Viele Hindus haben einen kleinen Altar im Haus mit der Staue einer Gottheit. Sie beten vor diesem Altar, und bringen ihm Opfer dar, wie zum Beispiel Blumen, Süßigkeiten oder Früchte. Es gibt aber auch viele große und farbenfrohe Tempel wo die Hindus zum Beten hingehen können.
Der Buddhismus
Der Buddhismus ist keine Religion wie die anderen. Die Buddhisten leben nach den Lehren von Buddha, dem Gründer des Buddhismus. Buddha glaubte nicht an eine oberste Gottheit, und er wird auch nicht als Gott verehrt.
Buddha kam etwa 500 Jahre vor Jesus Christus in Indien zur Welt.
Die Buddhisten glauben, dass das Leben wie ein Rad weiterdreht: Das Leben, der Tod, die Wiedergeburt…
Die Buddhisten gehen in Tempel, um über die Lehren des Buddhas nachzudenken und um Feste zu feiern. Genau wie die Hindus, haben auch sie oft kleine Hausaltäre mit Buddhastatuen und Weihrauch, Blumen, Kerzen oder kleinen Glocken. Im Buddhismus gibt es eine Gebetskette mit 108 Perlen, die zum Gebet benutzt wird.
Die Anhänger des Buddhismus glauben an die Wahrheit, die Buddha überliefert hat; sie glauben aber, dass es verschiedene Wege gibt, um sich dieser Wahrheit zu nähern. Verschiedene Buddhisten werden Mönche und Nonnen. Sie tragen orange Gewänder und haben den Kopf kahl geschoren. Sie versuchen so treu wie möglich Buddhas Anweisungen zu befolgen.
Ein großes Fest des Buddhismus ist „Wesak“. An dem Tag wird an den Geburtstag von Buddha erinnert.
Die Buddha-Statuen werden gewaschen, und die Häuser und Tempel werden mit Kerzen und Laternen geschmückt, um an die Lehren von Buddha zu erinnern. An Wesak wird kein Fleisch gegessen um daran zu erinnern, dass Buddha jedes Lebewesen respektierte.
Der Buddhismus kommt ursprünglich aus Indien. Es gibt heute ungefähr 500 Millionen Buddhisten, vor allem in Asien aber auch in anderen Teilen der Welt.